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Es bleibt immer etwas hängen

16.06.2015 / SeminareRechtsstreitigkeiten rufen die Presse auf den Plan und setzen die Reputation aufs Spiel. Es sei denn Unternehmen kommunizieren professionell. Hier setzt Susanne Kleiners Litigation-PR Seminar an. Stefanie Lenze für den Jahresbericht der Chemieverbände Rheinland-Pfalz. Eine Rückschau.

"Semper aliquid haeret", sagte schon Plutarch. Es bleibt immer etwas hängen - auch bei juristischen Streitigkeiten, die ihren Weg in die Medien gefunden haben. In Zeiten von Social Media stehen die Chancen schlecht, dass eine Auseinandersetzung vor Gericht ihren Weg nicht in die Presse findet. Und aufgrund des digitalen Gedächtnisses ist die Berichterstattung noch Jahre dem Richterspruch nachzulesen. Umso wichtiger, im Streitfall richtig zu kommunizieren.

Der Pfalz Chemie GmbH* stehen Umstrukturierungen bevor. Unter anderem soll ein Geschäftsbereich an einen anderen Standort wandern und Stellen abgebaut werden. Es gibt einen Sozialplan und Übernahmeangebote. Ein Teil der Belegschaft protestiert, einige Mitarbeiter klagen. Ihre Anwälte informieren die Presse. „Pfalz Chemie baut ab“, „Unsichere Zukunft bei Pfalz Chemie“ lauten die Schlagzeilen. Die ersten Lieferanten fragen nach, Kunden sind irritiert. Und jetzt?

Wer vor Gericht steht, steht auch am Medienpranger

„Bei Rechtsstreitigkeiten führt man zwei Verfahren: Eines im Gerichtssaal und eines im Gerichtssaal der öffentlichen Meinung, “ erklärt Susanne Kleiner. Sie ist auf strategische Kommunikation im Rechtsstreit spezialisiert. Für die Chemieverbände Rheinland-Pfalz war sie Referentin des Seminars Litigation PR.

Litigation PR ist die prozessbegleitende Öffentlichkeitsarbeit eines Unternehmens oder einer Person, die im Kreuzfeuer der Kritik steht. Kaum etwas zieht die journalistische und öffentliche Neugierde so an, wie ein Konflikt. Allzu leicht lassen sich Geschichten von Underdogs gegen das kapitalistische System schreiben. Beispiele wie die Prozesse um „Wetterfrosch“ Jörg Kachelmann oder den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff zeigen, dass eine mediale Vorverurteilung nicht gerade Seltenheitswert hat. Das Risiko Reputationsverlust gilt natürlich auch für Unternehmen. Denn: „Auch wenn man Recht bekommt, kann man im Gerichtssaal der öffentlichen Meinung verloren haben“, weiß Susanne Kleiner.

Wer nicht schnell reagiert, verliert jegliche Deutungshoheit

Was bedeutet das nun für die Pfalz Chemie? Eine schnelle Reaktion ist entscheidend, sonst verliert man jegliche Deutungshoheit. Das ist die Aufgabe der Litigation PR: sie kann die Position der Gegenpartei entkräften und die Schwarz-Weiß-Bilder der Medien aufbrechen. Indem sie die Sachlage erklärt und juristische Argumente „übersetzt“. Ihr Ziel ist eine chancengleiche Berichterstattung. Und dafür muss man auf die Presse zugehen.

Nichtsdestotrotz zielt Litigation PR zielt auf eine möglichst geringe mediale Aufmerksamkeit. Litigation PR ist leise. Schließlich will sie die Reputation der Beteiligten schützen. Wie man dennoch wirksam und vor allem im Einklang mit der juristischen Argumentationslinie des Anwalts kommuniziert, zeigte das Seminar.

 „Jedes Unternehmen kann von einer Auseinandersetzung betroffen werden, die vor Gericht ausgetragen wird. Im Seminar wurde klar und verständlich vermittelt, wie und zu welchem Zeitpunkt die Öffentlichkeitsarbeit in einem solchen Fall angemessen reagieren kann, um Schaden abzuwenden. Ich habe viele wertvolle Kenntnisse mitgenommen. Ich denke, jeder Unternehmenspressesprecher sollte sich mit diesem Thema auseinandersetzen.“ Teilnehmerin des Seminars „Litigation PR“ bei den Chemieverbänden Rheinland-Pfalz

Autorin: Stefanie Lenze

* Es handelt sich um ein fiktives Unternehmen. Der Text erschien auch im Jahresbericht der Chemieverbände Rheinland-Pfalz, den man hier (http://www.chemie-rp.de/presse-und-publikationen/publikationen.html) lesen kann. Mehr über Litigation PR kann man in der Publikation „festgehalten“ hier (http://de.slideshare.net/chemie_rp) lesen.